Love Parade 2010: Aus den Augen, aus dem Sinn?

 

Mittlerweile wird nur noch sehr wenig über die Love Parade 2010 berichtet. Dabei werfen gerade die jüngsten Ereignisse rund um die Anklageerhebung neue Fragen auf: Warum wurden die Opferanwälte erst so spät informiert? Ist die Liste der Angeklagten vollständig? Ist die Katastrophe auch auf Einsparungen zurückzuführen? Es ist zu befürchten, dass der Prozess zum Schauprozess wird, in dem viele Fragen unbeantwortet bleiben.

 

Love Parade 2010: Das Ende einer Ära

 

Die Love Parade 2010 bildet das traurige Ende einer der größten Veranstaltungsreihen, die es in Deutschland je gab. Sie fand von 1989 bis 2006 in Berlin und von 2007 bis 2010 in wechselnden Städten des Ruhrgebietes statt. In den Jahren 2004, 2005 und 2009 fiel die Veranstaltung aus. Nachdem sie anfangs vor allem ein internationaler Szenetreff für Technomusikliebhaber war, entwickelte sie sich mit der Zeit mehr und mehr zum Marketingevent. In die Kritik geraten war sie in Berlin vor allem wegen der Belastung des Tiergartens durch die Hinterlassenschaften ihrer Besucher, deren Zahl im Laufe der Zeit stetig zunahm. Die genaue Besucherzahl ist strittig, wobei in jedem Fall von mehreren Hunderttausend gesprochen werden kann. Bei der Love Parade 2010 in Duisburg wurde der Besucherstrom auf das Veranstaltungsgelände durch einen Tunnel geführt, wobei es zu einer Massenpanik mit 21 Toten und über 500 Verletzten kam. Daraufhin verkündete der Veranstalter das Ende der Veranstaltungsreihe. Es begann ein bis heute andauernder Streit darüber, wer diese Katastrophe zu verantworten hat. Da er sich weigerte, unabhängig von der juristischen Ebene Verantwortung zu übernehmen, wurde der damals amtierende Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, Adolf Sauerland, nach einem positiven Bürgerentscheid abgewählt. Die juristisch Schuldigen sind nach fast vier Jahren allerdings noch nicht gefunden. Großveranstaltungen mit einer ähnlich hohen Besucherzahl wie zur Love Parade 2010 gibt es in Deutschland seitdem, wenn überhaupt noch, in Berlin beim Public Viewing oder an Silvester.

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