Interview zur Loveparade Katastrophe

Prof. Dr. Julius Reiter im Gespräch mit Jenna Günnewig (WDR.de)

 

Schnelle Hilfe fordert Julius Reiter für seine 76 Mandanten, die allesamt Opfer der Loveparade 2010 sind. Im Interview, ein Jahr nach der Tragödie, spricht der Anwalt über Schuldfragen, Fortschritte und die Fehler der Polizei.

Gemeinsam mit dem ehemaligen Bundesinnenminister und Rechtsanwalt Gerhart Baum vertritt Julius Reiter über hundert Opfer der Loveparade-Tragödie. Die Massenpanik in Duisburg am 24.07.2010 hat 21 jungen Menschen das Leben gekostet, hunderte Besucher wurden verletzt und schwer traumatisiert. Viele von ihnen sind seit dem Ereignis auf professionelle Hilfe angewiesen, haben im Alltag Probleme oder kommen in ihrem Beruf nicht mehr zurecht.

 

Prof. Dr. Julius Reiter über die Kosten für Trauma-Therapien, stationäre Behandlungen und Arbeitsausfälle

“Wir machen für unsere Mandanten bei der Versicherung Ansprüche geltend. Zudem gibt es den Nothilfefonds der Landesregierung, der vorbildliche Arbeit leistet. Bei stationärer Behandlung erhalten Opfer pro Behandlungstag 500 Euro Schmerzensgeld und zwar bis zu 40 Tage lang. Der Fonds wurde von einer Million Euro auf 1.5 Millionen erhöht, bislang sind etwa 1,2 Millionen Euro davon abgerufen. Das Land hat dadurch schnelle Hilfe geleistet.”

 

Prof. Dr. Julius Reiter zur Frage der Kostenübernahme für langfristige Schäden

“Im Gegensatz zu einem Unfall im Autoverkehr, bei dem eine sogenannte Gefährdungshaftung gilt, ist bei einer Veranstaltung wie der Loveparade eine verschuldungsabhängige Haftung vorgesehen. Das heißt, bevor irgendwer haftet, muss das Verschulden rechtlich festgestellt werden. Da sich Veranstalter, Stadt und Land gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben, wird diese Schuldfrage juristisch geklärt. Dafür ist erforderlich, dass die Staatsanwaltschaft zu Ende ermittelt und ein Gerichtsverfahren klärt, wer welche Schuld an der Katastrophe trägt. Dann ist erst rechtssicher, wer zu welchem Prozentsatz Schuld hat – und zahlt.”

 

Das Gespräch führte Jenna Günnewig (WDR.de)

 

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