Interview zur Loveparade Katastrophe

Prof. Dr. Julius Reiter im Gespräch mit Jenna Günnewig (WDR.de)

 

Prof. Dr. Julius Reiter zur Einrichtung einer Stiftung für die Opfer der Loveparade

“Die Einführung der Stiftung fordern wir, weil wir Sorge haben, dass die Geschädigten, wenn der Medienrummel vorbei ist, vor verschlossener Tür stehen könnten. Weil man ihnen möglicherweise in fünf Jahren sagt: Das posttraumatische Belastungssyndrom, das sich jetzt bei dir zeigt, rührt nicht von der Loveparade, sondern von einem anderen Ereignis. Da bekommen wir dann Kausalitätsprobleme, müssen versuchen zu beweisen, dass das posttraumatische Belastungssyndrom tatsächlich von der Loveparade ausgelöst wurde.”

 

Prof. Dr. Julius Reiter zu den Vorteilen einer solchen Stiftung

“Eine Stiftung könnte sich auf verbindliche Regeln einigen und darauf, dass auch in fünf Jahren noch für die Schäden geradegestanden wird. Es gibt ganze Bereiche, die nicht justiziabel sind. Wie wollen Sie denn rechtlich demjenigen helfen, dem in der Probezeit gekündigt worden ist? Die Beweggründe des Arbeitgebers können Sie nicht nachweisen. Was machen wir mit den Schülern, die in der Schule jetzt als Leistungsverweigerer abgestempelt werden und ihre Konzentrationsschwächen aufgrund der Ereignisse auf der Loveparade haben? Da sind viele Fälle, bei denen man andere Wege gehen muss, die nicht so einfach justiziabel sind. In einer Stiftung könnten die Opfer ihre Bedürfnisse formulieren. Zudem könnte in diese Stiftung auch Geld von anderen Trägern oder privaten Spendern fließen.”

 

Bundesminister a. D. Gerhart Baum hat in einem Schreiben an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) das Land NRW in die Verantwortung genommen.

Prof. Dr. Julius Reiter zur Verantwortung der Landesregierung

“Der Innenminister Ralf Jäger (SPD) weist sämtliche Schuld der Polizei von sich. Nun gibt es ja eklatante Fakten aus einem Vorbericht der Staatsanwaltschaft, der an die Öffentlichkeit geraten ist. In dem kommt man zu einer anderen Bewertung. Ich bin der Meinung, dass hier alle Verantwortung tragen. Sowohl der Veranstalter als auch die Stadt, durch die Genehmigung, und die Polizei aufgrund der unzureichenden Organisation. Ich denke da an nicht ausreichend eingerichtete Vorrangschaltungen der Handys oder den ominösen Wachwechsel. Fehler, die aufseiten der Polizei gemacht worden sind.”

 

Prof. Dr. Julius Reiter zur Verfahrenslänge des Loveparade-Prozesses

Das Ermittlungsverfahren wird möglicherweise dieses Jahr noch abgeschlossen. Dann gibt es erst eine Anklage, danach wird ein Gerichtsverfahren eröffnet. In diesem werden unsere Mandaten als Nebenkläger auftreten. Wie lange das Gerichtsverfahren dauert, hängt davon ab, welche Fakten bis dahin auf dem Tisch sind. Dann gibt es ein Urteil, bei dem es durchaus sein kann, dass dagegen noch Rechtsmittel eingelegt werden. Das kann dann noch mal ein oder zwei Jahre dauern.

 

Das Gespräch führte Jenna Günnewig.

 

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