Opferanwalt Prof. Dr. Julius Reiter zur Reduzierung der Angeklagten

Prof. Dr. Julius Reiter in der NRZ vom 3. Februar 2014

“Am Ende könnte es eine große Enttäuschung geben”

Die Anklageerhebung im Fall der Duisburger Loveparade 2010 steht bevor. Allerdings schwindet die Hoffnung der Betroffenen auf eine baldige Aufklärung des tragischen Unglücks. Ursprünglich sollten 16 Beschuldigte angeklagt werden. Aktuellen Medienberichten zufolge müssen sich lediglich 10 Beschuldigte vor Gericht verantworten.

“Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen”

Infolgedessen ist die vollständige Aufklärung der Tatumstände gefährdet. Laut Spiegel zählt auch die Polizei nicht mehr zu den Beschuldigten. Für die Opfer mag es wie ein Hohn erscheinen, dass Rainer Schaller, der Veranstalter der Loveparade 2010, sich voraussichtlich nicht vor Gericht verantworten muss.

“Das hat mit Fahrlässigkeit nichts mehr zu tun.”

Lediglich ein paar Mitarbeiter der Stadt Duisburg und von Lopavent sollen angeklagt werden.

“Das Vorgehen bei der Loveparade erinnert mich an die drei Affen. Die Stadt hat die Augen verschlossen und eine nicht genehmigungsfähige Veranstaltung ermöglicht. Der Veranstalter hat sich die Ohren zugehalten, um Sicherheitsauflagen nicht zu erfüllen. Und die Polizei hat den Mund nicht aufgemacht, um die Veranstaltung im letzten Moment abzublasen. “

Das Gutachten des britischen Katastrophenforschers Keith Still hat eindeutig gezeigt: Die Loveparade musste in einer Katastrophe enden, wenn die Veranstaltung so geplant würde, dass Menschen in entgegengesetzter Richtung durch so ein Nadelöhr geführt würden. Das Gutachten zeigt auch, dass die Verantwortlichen die Überfüllung der Rampe noch am Tag der Veranstaltung hätten erkennen und durch frühzeitiges Handeln die Katastrophe hätten vermeiden können. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach dem Spardiktat des Veranstalters Rainer Schaller.

“Die Erhebung der Anklage ist eine Erleichterung, weil die Hängepartie nach dreieinhalb Jahren endlich beendet wird. Allerdings ist die Reduzierung der Anzahl der Angeklagten keine Ermutigung für die Opfer.”

 

Quelle: NRZ vom 3. Februar 2014

 

Loveparade Selbsthilfe