Opferanwalt Prof. Dr. Julius Reiter im Interview
Interview in der WZ vom 7. Februar 2016
Opferanwalt Prof. Dr. Julius Reiter vertritt rund 100 Angehörige von Verstorbenen sowie Verletzte und Geschädigte des Loveparade-Unglücks. Wir sprachen mit ihm über die lange Dauer des Verfahrens.
Wie lässt sich erklären, dass sich das Verfahren so lange hinzieht?

Prof. Dr. Julius Reiter: Dafür haben auch wir Anwälte als Organe der Rechtspflege kein Verständnis mehr. Die erneute Befragung des Sachverständigen Still durch das Gericht zeigt, dass die Arbeit der Staatsanwaltschaft unzureichend war.

Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass es nicht zur Anklage kommt?

Prof. Dr. Julius Reiter: Ich gehe fest von der Zulassung der Anklage durch die Richter aus. Bei 21 Toten und so vielen Verletzten wird es keine Einstellung des Verfahrens geben.

Frage: Wird nach so langer Zeit die strafrechtliche Aufarbeitung nicht immer schwieriger?  Die Anklageerhebung liegt zwei Jahre, die Katastrophe selbst sogar schon fast sechs Jahre zurück. 

Prof. Dr. Julius Reiter: So ist es leider. Insbesondere Zeugen fällt eine zutreffende Schilderung der Geschehnisse mit zunehmender Zeit immer schwerer.

Frage: Falls es aber doch nicht zur Hauptverhandlung käme: Was würde das aus Ihrer Sicht bedeuten?

Prof. Dr. Julius Reiter: Es wäre für die Hinterbliebenen und Geschädigten eine weitere Katastrophe, wenn die Justiz bei der Aufarbeitung der Verantwortlichkeiten kapituliert.

Frage: Vertreten Sie die Mandanten sowohl im Strafprozess als Nebenklagevertreter als auch in Schadensersatzprozessen?

Prof. Dr. Julius Reiter: Bisher haben wir vor Zivilgerichten nicht geklagt. Für den Strafprozess haben wir uns als Nebenkläger bereits bestellt. Den Großteil haben wir bisher außergerichtlich mit der Versicherung und dem Land verhandelt.

Frage: Laufen diese Zivilprozess bereits?

Prof. Dr. Julius Reiter: Nein, die Gegenseite hat auf die Einrede der Verjährung verzichtet, so dass wir gegebenenfalls noch klagen werden.
Quelle: Westdeutsche Zeitung (WZ) vom 7. Februar 2016

Das Interview führte Peter Kurz

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