Loveparade Prozess: “Am Ende könnte es eine Enttäuschung geben”

Opferanwalt Prof. Dr. Julius Reiter im Interview mit Legal Tribune online

Teil 2: Prof. Dr. Julius Reiter über die Räumlichkeiten für den Loveparade Prozess, die Weiterbeschäftigung von Angestellten in der Verwaltung, die für die Katastrophe verantwortlich sind, sowie zu zivilrechtlichen Ansprüchen der Opfer:

 

Zu möglichen Räumlichkeiten für den Prozess

“Die Räumlichkeiten sollten zumindest groß genug sein, um dem Interesse der Hinterbliebenen und Geschädigten gerecht zu werden.”

Zu der Tatsache, dass verantwortliche Personen, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt, weiter in der Verwaltung beschäftigt sind

“Die Opfer und Hinterbliebenen verstehen nicht, warum der neue Oberbürgermeister Sören Link keine personellen Konsequenzen gezogen hat. Das Organisationsverschulden der Stadt Duisburg ist unbestritten. Wenn er den Behördenleiter und die beschuldigten Mitarbeiter der Stadtverwaltung nicht suspendieren kann, hätte er sie zumindest überzeugen können, eine andere Aufgabe in der Verwaltung zu übernehmen. Das hat er nach eigenen Angaben nicht einmal versucht.

Wie sollen da die Bürger Vertrauen in die Stadtverwaltung zurückgewinnen? Es sind auch meines Wissens trotz vernichteter Beweismittel keine Disziplinarverfahren eingeleitet worden.”

Zu möglichen zivilrechtlichen Ansprüchen der Opfer der Loveparade Katastrophe

“In der Regel haben Betroffene erst eine realistische Chance, Entschädigungen und Schmerzensgeld einzufordern, wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind. Erst dann können wir uns abschließend ein eigenes Bild über die Verantwortlichkeiten machen und dementsprechend Rechtsansprüche konkretisieren.

Da es nicht allein um strafrechtliche Schuld, sondern auch um zivilrechtliche Haftung geht, brauchen wir Klarheit über die Geschehnisse. Da die zivilrechtlichen Ansprüche aber zum Ende des Jahres verjähren könnten, werden wir noch bis dahin Klagen erheben.”

Zur Höhe bisheriger Entschädigungen

“Ich kann da nur für unsere Mandanten sprechen. Die Summe beläuft sich da auf etwa 1,5 Millionen Euro.”

 

 

Quelle: Legal Tribune online vom 24.07.2013

Das Interview führte Claudia Kornmeier.