Beschluss des OLG Düsseldorf in Sachen Loveparade

Der Beschluss ist eine Ohrfeige für die Richter des Landgerichts Duisburg
 

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Oberlandesgericht Düsseldorf hat mit heutigem Beschluss das Strafverfahren gegen die Angeklagten der Loveparade-Katastrophe eröffnet. Die Richter haben damit die zunächst erfolgte Einstellung des Landgerichts Duisburg aufgehoben und die Hauptverhandlung einer anderen Kammer zugewiesen.

Mit diesem Beschluss folgt das Oberlandesgericht der Staatsanwaltschaft Duisburg und den Nebenklägern, die Beschwerde gegen die Entscheidung des Landgerichts eingelegt hatten. Für die Kanzlei Baum Reiter & Collegen, die zu den Beschwerdeführern gehört, ist dies als Erfolg für die Opfer anzusehen. Rechtsanwalt Prof. Dr. Julius Reiter kommentiert die Entscheidung wie folgt:

“Der heutige Beschluss des Oberlandesgerichts ist ein Ohrfeige für die Richter am Landgericht Duisburg, die das Verfahren einstellen wollten. Mit der Eröffnung des Strafverfahrens wird eine lange Phase der erneuten Unsicherheit bei den Opfern beendet, die teilweise bereits die Hoffnung aufgegeben hatten, dass die Verantwortlichen überhaupt noch zur Rechenschaft gezogen werden. Die Richter werden sich nun im Strafprozess mit den Versäumnissen der Verantwortlichen rund um die Loveparade-Katastrophe auseinandersetzen müssen. Dies ist eine Erleichterung für die Opfer, die schon so lange auf die Aufklärung warten.“

Reiters Kanzleipartner, Bundesminister a.D./Rechtsanwalt Gerhart Baum erklärt außerdem:

„Die Verantwortlichkeit kann nicht allein auf das Strafverfahren reduziert werden. Erhebliches Organisationsverschulden der zuständigen Behörden hat unabhängig von der individuellen strafrechtlichen Verantwortlichkeit zur Katastrophe erheblich beigetragen. Dies kann und muss in der neuen Legislaturperiode durch einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss aufgeklärt werden.“

Loveparade 2010 – Schreie im Hirn bleiben

Loveparade 2010 – Schreie im Hirn bleiben
Es sollte die größte Techno-Party Deutschlands werden. Es wurde die Hölle. 21 Menschen starben, weil Zugänge zum Gelände in Duisburg zu eng waren für die Besuchermassen (Loveparade Anklage). Noch heute leiden viele, die damals dort waren.

Prof. Dr. Julius Reiter:

“Unsere Mandanten verlangen nichts besonderes. Sie möchten nur verstehen, wie es zu der Katastrophe kommen konnte, damit sie mit allem abschließen und für sich Ruhe finden können … Die Erwartung der Mandanten, Gerechtigeit zu erleben, wird vor Gericht wohl enttäuscht werden .. Wir werden weitere juristische Scharmützel der Strafverteidiger erleben.”

Den vollständigen Beitrag inklusive Video finden Sie hier (bitte klicken)

Quelle: DW vom 23.07.15

Zivilprozess zu Loveparade beginnt

Zivilprozess zu Loveparade beginnt
Ein Feuerwehrmann will 65 000 Euro, eine Geschädigte möchte 100 000 Euro.
Mittlerweile sind fünf Jahre seit der tragischen Loveparade-Katastrophe von Duisburg vergangen. Der Termin für den ersten Schadenersatzprozess wurde auf den 1. September diesen Jahres festgelegt. Das Landgericht Duisburg soll dann klären, ob fünf Klägern aufgrund schwerer psychischer Belastungen ein für deutsche Verhältnisse relativ hoher Schadenersatz zusteht. Bei der damaligen Massenpanik gab es 21 Tote und rund 500 Verletzte.

Rainer Schaller und seiner Organisation Lopavent (Loveparade Schadenersatz) werden Fehler bei der Planung und der Durchführung der Veranstaltung vorgeworfen. Zudem stehen eine möglicherweise fehlerhafte Baugenehmigung der Stadt Duisburg sowie Fehler der Polizei NRW im Raum, die Gedränge und Panik verursacht haben.

Unsere Kanzlei baum reiter & collegen vertritt mehr als 100 Geschädigte. Sollte am Rande des Strafverfahrens im Rahmen eines Adhäsionsverfahrens nicht möglich sein, behalten wir uns eine Zivilklage vor.

Prof. Dr. Julius Reiter: “Falls es zu keinem Strafverfahren zur Loveparade kommt, werden wir auch zivilrechtliche Schritte prüfen. Das ist möglich, weil wir mit der Axa-Versicherung den Verzicht auf Verjährung sowohl für den Veranstalter wie für die Stadt Duisburg vereinbart haben.”

 

Quelle: RP Online vom 12. Juni 2015

Von Reinhard Kowalewsky

 

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Loveparade – “Eine Katastrophe nach der Katastrophe”

Interview zur Loveparade Katastrophe
Prof. Dr. Julius Reiter im Gespräch mit Jenna Günnewig (WDR.de)
 

Schnelle Hilfe fordert Julius Reiter für seine 76 Mandanten, die allesamt Opfer der Loveparade 2010 sind. Im Interview, ein Jahr nach der Tragödie, spricht der Anwalt über Schuldfragen, Fortschritte und die Fehler der Polizei.

Gemeinsam mit dem ehemaligen Bundesinnenminister und Rechtsanwalt Gerhart Baum vertritt Julius Reiter über hundert Opfer der Loveparade-Tragödie. Die Massenpanik in Duisburg am 24.07.2010 hat 21 jungen Menschen das Leben gekostet, hunderte Besucher wurden verletzt und schwer traumatisiert. Viele von ihnen sind seit dem Ereignis auf professionelle Hilfe angewiesen, haben im Alltag Probleme oder kommen in ihrem Beruf nicht mehr zurecht.

 

Prof. Dr. Julius Reiter über die Kosten für Trauma-Therapien, stationäre Behandlungen und Arbeitsausfälle

“Wir machen für unsere Mandanten bei der Versicherung Ansprüche geltend. Zudem gibt es den Nothilfefonds der Landesregierung, der vorbildliche Arbeit leistet. Bei stationärer Behandlung erhalten Opfer pro Behandlungstag 500 Euro Schmerzensgeld und zwar bis zu 40 Tage lang. Der Fonds wurde von einer Million Euro auf 1.5 Millionen erhöht, bislang sind etwa 1,2 Millionen Euro davon abgerufen. Das Land hat dadurch schnelle Hilfe geleistet.”

 

Prof. Dr. Julius Reiter zur Frage der Kostenübernahme für langfristige Schäden

“Im Gegensatz zu einem Unfall im Autoverkehr, bei dem eine sogenannte Gefährdungshaftung gilt, ist bei einer Veranstaltung wie der Loveparade eine verschuldungsabhängige Haftung vorgesehen. Das heißt, bevor irgendwer haftet, muss das Verschulden rechtlich festgestellt werden. Da sich Veranstalter, Stadt und Land gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben, wird diese Schuldfrage juristisch geklärt. Dafür ist erforderlich, dass die Staatsanwaltschaft zu Ende ermittelt und ein Gerichtsverfahren klärt, wer welche Schuld an der Katastrophe trägt. Dann ist erst rechtssicher, wer zu welchem Prozentsatz Schuld hat – und zahlt.”

 

Das Gespräch führte Jenna Günnewig (WDR.de)